Klimasensible Beratung und die Hitz' an sich...
Mit Rekordtemperaturen seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen schafft es Frankreich gerade in die Nachrichten - aber seien wir ehrlich, auch bei uns ist es mies heiß. Und da geht es schon lang nicht mehr um Wohlbefinden allein.
Eigentlich hatte ich nur einen "Throwback" auf meinen Hitze-Artikel aus dem Jahr 2023 vor, aber andererseits ist es durchaus Zeit für ein Update. Also eine gute Mischung aus dem damaligen Artikel, mit ein paar neuen Infos aus unserer Sprechstunde.
Worum geht es also, wenn es so sauheiß ist?
Was Gesunde durchaus freut, bestenfalls ein bisserl schlaucht, kann für schwache, kranke, alte und ganz junge Menschen sehr gefährlich sein. Insbesondere Menschen mit Atemwegserkrankungen merken, dass es sich schwerer schnauft. Zwar ist eine generelle Anpassung der Medikamente während der Sommermonate nicht notwendig, aber gerade bei Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder einer koronaren Herzkrankheit mit entsprechender Medikation gibt es Risiken, wenn es so heiß ist. Zu den Medikamenten zählen beispielsweise Mittel gegen Bluthochdruck, Betablocker und entwässernde Mediamente, sog. Diuretika.
Anpassung an die hohen Temperaturen
Achten Sie darauf, dass Sie Ihre körperliche Aktivität der Temperatur anpassen. Tragen Sie luftige Kleidung und eine Kopfbedeckung, und achten Sie auf einen guten Sonnenschutz, wenn Sie das Haus verlassen. Denken Sie auch an alleinstehende Angehörige, Freunde oder Nachbarn. Die Ernährung sollte in kleinen Portionen stattfinden. Hier ist es auch wichtig, die Kühlkette von verderblichen Lebensmitteln einzuhalten.
Zwei Liter Flüssigkeit gelten als Faustregel
Trinken Sie ausreichend. Etwa zwei Liter im Durchschnitt sollten es sein, und wenn Sie sich körperlich anstrengen, noch ein bisserl mehr. Allerdings gibt es auch Krankheiten, wo Sie mit uns Hausärztinnen Ihre individuelle Trinkmenge besprechen sollten, beispielsweise bei einer Herz- oder Nierenschwäche. Stellen Sie sich Getränke sichtbar bereit, und dokumentieren Sie eventuell die Flüssigkeitsaufnahme, wenn Sie sich nicht sicher sind, wie viel Sie am Tag trinken.
Passende Abkühlung in den Innenräumen
Bei direkter Sonneneinstrahlung empfiehlt sich die Verdunkelung/Verschattung durch Sonnenschutz am Fenster (Markisen, Jalousien, Vorhänge, Rolläden u.v.a.). Falls man dies als angenehm empfindet, können Ventilatoren eingesetzt werden. Ein konsequentes Lüften während der kühleren Nacht- und Morgenstunden (Achtung: Mückenschutz!) ergänzt die Abdunklungsmaßnahmen während des Tages.
Wann wird es gefährlich?
Folgende Symptome weisen auf eine Hitzeerkrankung hin:
- Kopfschmerzen
- Kreislaufbeschwerden, Schwindel (erhöhter Puls, verminderter Blutdruck)
- Durstgefühl (fehlt manchmal gänzlich bei Älteren!)
- trockener Mund/Zunge
- verminderter Hautturgor ("stehende Hautfalte" zum Beispiel am Unterarm)
- Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit
- verminderte Urinausscheidung
- Erbrechen
- schneller Gewichtsverlust (mehr als 5 %)
- Kurzatmigkeit
- Muskelkrämpfe
Bitte stellen Sie sich in diesen Fällen beim Hausarzt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (bundeseinheitliche Telefonnummer 116 117) oder in Notfällen beim Rettungsdienst (112) vor.
Und was ist jetzt die Sprechstunde zur Klimasensiblen Beratung?
Auf den ersten Blick klingt es wie ein neues Wortungetüm aus dem Handbuch der Grünen, aber es ist eigentlich ziemlich cool. Thematisch geht es nicht nur um Hitzeperioden, sondern auch um weitere klimatische Prozesse, die sich auf die Gesundheit auswirken können.
- Beratung von Patientengruppen, die ein erhöhtes Risiko durch klimatische Veränderungen haben: ältere Personen, Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen (z.B. kardiovaskulär, respiratorisch, Diabetes, usw.) sowie Multimorbide, Schwangere Personen, Eltern von Säuglingen und Kleinkindern
- "Planetary Health" als Fachausdruck für den Zusammenhang unseres menschlichen Daseins mit Auswirkungen auf die Natur und deren Auswirkung auf unser Leben (Anstieg Meeresspiegel, Ernteausfälle durch Dürreperioden, Überschwemmungen)
- Verschlechterung chronischer Erkrankungen z.B. beim Asthma durch verlängerte, intensivierte oder sich thematisch überlappende Pollensaison
- Veränderungen bei Infektionen durch neue Erreger aus anderen Erdteilen oder fehlende Konzentration auf bestimmte Jahreszeiten
- Verschmutzung durch unsachgemäße oder zu häufige Anwendung bestimmter schlecht abbaubarer Medikamente wie z.B. Diclofenac
- Anpassung der Dauermedikation phasenweise in Abhängigkeit von klimatischer Veränderung
Sprechen Sie uns direkt an, machen Sie für sich oder für Angehörige, um die Sie sich sorgen, einen Termin. Insbesondere Frau Galler-Weber ist hier spezialisiert und weitergebildet.